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Drei fränkische Regierungsbezirke

Zeichnung: J. Dill
Unterfranken
Oberfranken
Mittelfranken

Lokalbahn-Ecke  ....  Nebenstrecken in Franken

Lokalbahn-Ecke

 

Unterfranken
Mittelfranken
Oberfranken
Stand: 26.06 2012
20 Nebenbahnen | 8 online
29 Nebenbahnen | 3 online
20 Nebenbahnen | 3 online

Lokalbahn-Modelle.de widmet speziell sämtlichen Zweiglinien im “Bahnland Franken”. Viel Spaß bei einer virtuellen Reise in die Regionen zwischen Spessart, Fichtelgebirge und dem Hopfenland.

Buch-Tipp

Vizinal-, Sekundär-, Lokal-, Klein-, Privat- und Nebenbahnen

Unter den Begriffen Vizinal-, Sekundär- und Lokalbahnen entstanden in Bayern und Franken zahlreiche Einzelprojekte. Meist als Stichstrecken angelegt, hatten sie in der Regel nur regionale Bedeutung, um Kleinstädte, Marktgemeinden und Ortschaften abseits bestehender Magistralen zu erschliessen. Im traditionell eher ländlich strukturierten Franken ermöglichten die Nebenbahnen einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung. Zur Kostenersparnis realisierten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen (K. Bay. Sts. B.) diese Verkehrswege weitgehend in einfachster Bauweise.

ISBN 3-938080-00-0

H&L-Publikationen Verlag, W. Bleiweis

Leichter Oberbau, Neigungen bis vierzig Promille und enge Gleisradien beeinflussten Höchstgeschwindigkeit und Transportkapazität nachhaltig; viele Leute spotteten über diese Umstände. Trotzdem kämpfte die Bevölkerung oft ausdauernd und unermüdlich für einen eigenen Bahnanschluss. Regionale Kosenamen wie “Bähnle”, “Express”, “Moggerla” und “Bockl” klangen liebevoll, hatten aber mitunter tiefere Hintergründe. Oft war auch der Zielort ausschlaggebend, wie beispielsweise “Böschemer Böhle”, “Gredl” oder “Hofheimerle”.

Die Staatsbahnen verwirklichten ab 1872 bayern- und frankenweit über fünf Jahrzehnte hinweg insgesamt 177 Strecken. Daneben waren auch private Unternehmen tätig und bauten in eigener Regie zusätzlich 20 Verkehrswege. Auf die heutigen Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken entfielen nicht weniger als 69 Zweiglinien. Die Lokalbahn Rentwertshausen - Römhild lag sogar vollständig auf thüringischem Gebiet, wurde jedoch von Bayern gebaut und zusammen mit der Hauptbahn Schweinfurt - Meiningen betrieben.

Lediglich fünf Strecken unter privater Betriebsführung entfielen auf Franken. Wenngleich es damals noch keine Klassifizierung gab, die Ludwigsbahn Nürnberg - Fürth als landesweit erste Schienenverbindung für den öffentlichen Verkehr führte 1835 den Reigen an. Damit gilt diese Region zugleich als Wiege lokomotivbetriebener Eisenbahnen in Deutschland.

Die Bevölkerung im Herzogtum Coburg-Sachsen-Gotha hatte sich 1919 per Volksabstimmung für den Anschluss an Bayern entschieden. Damit kamen zu den fränkischen Nebenbahnen drei preussische hinzu. Die Strecke Coburg - Rodach kann zudem mit einer außergewöhnlichen Vergangenheit aufwarten: Sie entstand ursprünglich durch die private Werra-Eisenbahn-Gesellschaft. Eine gewisse Sonderstellung blieb dem dortigen Eisenbahnnetz über lange Zeit hinweg erhalten.

Gesetzgebung für Nebenstrecken im Königreich Bayern

Vizinalbahn-Gesetz vom 29. April 1869

Die grobmaschige Verknüpfung bedeutender Wirtschaftsräume mittels Magistralen kam bereits in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts weitgehend zum Abschluß. Linien ohne strategischen Nutzen, also rein lokaler Bedeutung, hätten jedoch bei einer Ausführung auf Hauptbahnniveau nicht oder nur bedingt rentabel betrieben werden können. Zur Förderung ländlicher Regionen erließ der Bayerische Landtag am 29. April 1869 daher ein “Gesetz über Bau und Betrieb von Eisenbahnstrecken untergeordneter Bedeutung”, das sogenannte Dotationsgesetz. Damit wurden die Grundlagen für künftige Zweiglinien neu geregelt und ermöglichten so technische, finanzielle und betriebliche Vereinfachungen.

Infolge der neuen Gesetzgebung entstanden in Bayern fünfzehn Vizinalbahnen mit 168 Kilometern Gesamtlänge, auf Franken entfielen davon sechs Strecken mit etwa 62 Kilometern. Die Zenngrundbahn im Abschnitt von Siegelsdorf nach Langenzenn führt diese Liste an, sie nahm am 25. Mai 1872 als erste den Betrieb auf.

Die Nebenbahn-Lok schlechthin


Sekundärbahn-Gesetz vom 28. April 1882

Ab sofort mussten die Interessenten nur noch den Grund und Boden kostenfrei zur Verfügung stellen, die Gesamtbaukosten von Sekundärbahnen finanzierten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen. Hierdurch bestand Hoffnung auf eine gesteigerte Nachfrage nach neuen Schienenverbindungen in der Fläche.

In ländlichen Gebieten stand weniger die Reisegeschwindigkeit im Fokus, vielmehr konnte durch engere Radien (mindestens 180 Meter), grössere Neigungen (maximal 1 : 40) und leichteren Oberbau effektiv bei den Entstehungskosten gespart werden. Empfehlungen des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen sahen sogar noch weitere Vereinfachungen vor, beispielsweise durch schmalspurige Ausführung. Bei den Rentabilitätsberechnungen der ältesten Projekte wie Gemünden - Hammelburg 1884 oder im darauffolgenden Jahr Neustadt - Bischofsheim stand diese Einsparmöglichkeit noch zur Debatte. Kostenvergleiche ergaben einen rund 20 Prozent höheren Bauaufwand, um die Nachteile autark betriebener Schienenwege zu kompensieren. Das war es wert. In Franken sollte daher die Regelspur das einheitliche Maß bleiben. Und bayernweit hatte es mit Eichstätt - Kinding sowie Altötting - Neuötting staatlicherseits sein Bewenden. Erstgenannte Verbindung wurde später umgespurt, letztere stillgelegt.

Um in den Genuss einer Schienenverbindung zu kommen, mußten die Interessenten den notwendigen Grund und Boden lastenfrei der Staatsbahn zur Verfügung stellen und alle Erdarbeiten auf eigene Kosten ausführen. Dafür sah das Gesetz eine spätere Gewinnbeteiligung vor. Die übrigen Kosten finanzierten hälftig Mittelzuweisungen aus den Dotationsgesetzen, den anderen Teil deckte ein hierfür aufgelegter Fonds aus Überschüssen. Für Bau und Betrieb sollten demnach die Staatsbahnen verantwortlich zeichnen.

Finanzierungs- und Betriebsgrundlagen

Technische Grundlagen

Genannte Voraussetzungen für den Erhalt einer Bahnverbindung stellten für viele Gemeinden eine unüberwindliche Hürde dar, auch die durchschnittlich niedrige Verzinsung solcher Strecken von nur 1,5 Prozent ließ oft keinen direkten Gewinnerfolg für die Interessenten erwarten. Daher wurden anfangs euphorische Initiativen schon im Keim erstickt. Das erkannte auch die Bayerische Staatsführung und veranlasste die Überarbeitung, beziehungsweise eine Entlastung des vorhandenen Gesetzes. Mit Beschluss vom 5. März 1882 wurde den anliegenden Kommunen die Hälfte der Erdarbeiten, bei vollständigem Gewinnverzicht sogar der Gesamtbetrag zurückerstattet. Nach nur zwölf Jahren beendete das “Gesetz über die Behandlung bestehender Vizinalbahnen und den Bau von Sekundärbahnen” diese erste Nebenbahngesetzgebung Bayerns.

Die gesetzten Erwartungen konnten jedoch immer noch nicht erfüllt werden und so währte diese Form nicht ganz zwei Jahre. Auf das Frankenland entfiel keine einzige deratige Strecke, einzig Gemünden - Hammelburg entstand als Sekundärbahn, ging jedoch am 1. Juli 1884 als erste Lokalbahn in Betrieb.

Lokalbahn-Gesetz vom 21. April 1884

Eine Übersicht aller auf fränkischen Gebiet existenten Nebenstrecken soll noch als Download zur Verfügung gestellt werden. Sobald das soweit ist, findet ihr an dieser Stelle dann entsprechenden Link. Über die Geschichte der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen findet ihr auf den Seiten von Jürgen Pepke weitere Informationen.

Um eine finanziell tragfähige Basis zur Verkehrsanbindung strukturschwacher Regionen zu erhalten, mußten weitere Modifizierungen in Kauf genommen werden. Für den Bau künftiger Lokalbahnen legte man eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 30 km/h zugrunde, was für die Mobilitätsbedürfnisse ausreichend schien. Des weiteren waren Ausfahrsignale in den Bahnhöfen nicht mehr zwingend vorgeschrieben; vom Fahrdienstleiter erteilte Abfahraufträge sollten im Regelfall ausreichen. Auch durften Personen- und Güterverkehr in einem gemischten Zug (GmP) gemeinsam abgewickelt werden. Eine niedrigere Achslast und Zusammenstellungen von maximal 120 Achsen pro Zug unterstützen kürzere Bremswege. Das Planum bestehender Strassen konnte von den Bahnen mitbenutzt werden. Legendäres Beispiel ist die Strecke von Erlangen nach Gräfenberg. Der Volksmund nannte sie, abgeleitet von Sekundärbahn, zwar “Seku” obwohl erst 1886 als Lokalbahn entstanden.

Diese Gesetzesgrundlage sollte sich als erfolgreichste Form hiesiger Zweigstrecken erweisen. Eine gute Konjunktur unter Prinzregent Luitpold ermöglichte letztlich den Bau von insgesamt 53 Projekten im Frankenland. Nach dem Ende der Monarchie entstanden nur noch einzelne Projekte untergeordneter Bedeutung. Trotz angespannter Finanzlage der Nachkriegsjahre konnten schon früher angedachte Schienenwege in wenigen Fällen noch realisiert werden. Es gab aber auch zahlreiche Vorhaben, die niemals zur Verwirklichung kamen. Dieses sicherlich spannende Thema würde jedoch den Rahmen dieser Dokumentation sprengen.

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