Erste Deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth

Der Ursprung aller Eisenbahnen liegt in England. Als sich dort sogenannte ”Dampfwagen” erstmals auf Schienen bewegten, erregte diese Nachricht weltweit großes Aufsehen. Infolge dessen forderten nun auch fränkische Kaufleute eine Bahnstrecke entlang der stark frequentierten Chaussee zwischen den Handelsstädten Fürth und Nürnberg. König Ludwig I. von Bayern schickte daraufhin Joseph von Baader zu Studien nach England. 

- Ludwigsbahn -

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Die Zeichen der Zeit standen demzufolge nicht gerade günstig, zumal die Reichsstadt Nürnberg hoch verschuldet war und von dieser Seite keine finanzielle Unterstützung in Aussicht stand. Davon liessen sich die dickköpfigen Franken Georg Zacharias Platner und Johannes Scharrer nicht beeindrucken und gründeten am 14. Mai 1833 eine Gesellschaft, um eine Dampfeisenbahnstrecke von Nürnberg und Fürth zu errichten. Innerhalb von sechs Monaten zeichneten die Aktionäre eine Summe von 132.000 Gulden. Offensichtlich hat Ludwig I. die anfangs zögerliche Haltung der Kaufleute verärgert und unterstützte jetzt den Bahnbau nur widerwillig. Wahrscheinlich erkannte er auch schon die drohende Konkurrenz zu “seinem Kanal”, gestattete aber trotzdem die Bezeichnung Ludwigs-Eisenbahn. Seine Regierung erhielt die Anweisung zum Kauf von immerhin zwei Aktien.

Weshalb Geschichtsbücher die Ludwigs-Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth als Erste Eisenbahn Deutschlands, nicht aber die Bahn durch das Deiltal aufführen, ist wahrscheinlich im reinen Werksbetrieb und fehlender Lokomotive zu sehen. Das preussische Königshaus sah damals keine Veranlassung, Gelder für eine Eisenbahn nach englischem Vorbild auszugeben und die Strecke als Staatsbahn auszuführen. Den neuen Zeitgeist hatte man dort noch nicht erkannt und Preussen stand manchen Neuerungen skeptisch gegenüber. Ähnlich erging es zunächst auch den Kaufleuten in Franken. Sie wollten das neue englische Transportmittel, um ihre Waren schneller und damit günstiger transportieren zu können. Nachdem 1828 die Interessenten den königlichen Bauauftrag verstreichen liessen, entschied sich der Monarch statt dessen für sein Lieblingsprojekt, dem Bau eines Kanals zwischen Main und Donau.

Zwei Jahre später hat der Industriepionier Friedrich Harkort eine Bahnstrecke von der Ruhr nach Wuppertal vorgeschlagen und gründete für den Bau der Eisenbahn eine Aktiengesellschaft. In England hatte sich das Eisenbahnsystem bereits prächtig entwickelt und bestätigte die Erwartungen der Initiatoren. Harkort hatte sich zuvor auf der Insel davon selbst überzeugen können. Am 30. September 1831 eröffnete die von Harkort gebaute Deilthaler Eisenbahn von Hinsberg nach Nierendorf bei Langenberg, auch Prinz-Wilhelm-Eisenbahn (PWE) genannt. Pferde zogen die Kohletransportwagen über die 7,5 Kilometer lange Schmalspurbahn. Die PWE war damit zweifelsohne die erste deutsche private Eisenbahngesellschaft mit eigener Strecke!

Unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung konnte das neue Verkehrsmittel am 7. Dezember 1835 feierlich eröffnet und einen Tag später dem fahrplanmässigen Verkehr übergeben werden. Der von Stephenson in Newcastle gebaute “DER ADLER” kam nebst Lokführer William Wilson aus England. Dagegen stammten die Waggons aus hiesigen Werkstätten, welche bisher ausschliesslich Kutschen gefertigt hatten. Die für den Lokomotivbetrieb erforderliche Steinkohle musste mit Fuhrwerken mühsam aus den sächsischen Zechen heran gekarrt werden. Deshalb kamen bei einem Teil der Fahrten bis auf weiteres noch Pferde zum Einsatz. Der König, welcher sich zum Eröffnungstag gerade auf dem Weg nach Griechenland befand, stattete der Bahnstrecke erst im Jahr darauf einen Besuch ab. Er war begeistert und gönnte sich eine “Fahrt in vollem Tempo”. Auch hatte der Regent eigens einen Zug mit hoher Geschwindigkeit an sich vorbeiziehen lassen. Noch im selben Jahr kam mit der Lokomotive “DER PFEIL” eine weitere Maschine von Newcastle nach Franken. Ein Novum zur damaligen Zeit stellte die anfangs ausschliessliche Nutzung dieser Bahnstrecke für den Personenverkehr dar. Nennenswerter Güterverkehr entwickelte sich erst ab 1839.

Im Frühjahr 1835 rückten die Arbeiter zum Bau der sechs Kilometer langen Bahnstrecke an. Die Gleisanlagen begannen im Nürnberger Bahnhof am Plärrer. In einer kleinen Rechtskurve mit einem Radius von 204 Metern bog der Schienenstrang auf die Nürnberg-Fürther Chaussee ein und begleitete die Staatsstrasse kerzengerade. Eine auf Kosten der Kanalgesellschaft errichtete Brücke überquerte den Ludwig-Main-Donau-Kanal. Nahe der neuen Friedrichstrasse beschrieb die Bahn abermals eine Rechtskurve, nun in einem Radius von 350 Metern und erreichte anschliessend die Endstation Fürth.

Das auf der Ludwigsbahn erreichte Verkehrsvolumen überraschte selbst die Aktionäre, so gestattete die Gewinnsituation sogar Dividenden in zweistelliger Höhe. So keimten rasch überall im Lande zahllose Ideen zum Bau weiterer Schienenwege auf. Auch für die Ludwigsbahn kursierten bald Gedanken zur Erweiterung der Strecke in Richtung Regensburg, bzw. Würzburg. Friedrich List publizierte 1838 einen Sonderdruck mit dem Titel “Das deutsche National-Transport-System in volks- und staatswirtschaftlicher Bedeutung.” Alle derartigen Ideen fanden seinerzeit kein Gehör. Zutiefst enttäuscht beging er 1846 Selbstmord. Erst Jahre später wurden viele seiner Vorschläge tatsächlich realisiert.

1841 nahm das Königreich Bayern den Bahnbau weitgehend selbst in die Hand. Binnen drei Jahren konnte die erste staatliche Strecke von einem neuen Nürnberger Bahnhof nach Bamberg vollendet werden, deren Züge ursprünglich auf direktem Wege nach Norden an Fürth vorbei rollten. Spürbare Konkurrenz läutete jedoch die 1881 eröffnete Pferdetram zum Fürther Obstmarkt ein, deren Trasse parallel zur Ludwigsbahn verlief. Ab 1896 konnten die Fahrgäste sogar mit elektrischen Triebwagen der Nürnberg-Fürther-Straßenbahn von den Wohngebieten direkt in die Innenstädte gelangen. Die verkehrlich isoliert gelegene Ludwigsbahn konnte sich trotz späterem, teilweise zweigleisigem Ausbau nicht dauerhaft gegen diese städtische Konkurrenz behaupten. In der wirtschaftlich schweren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stellte das Unternehmen 1922 den Verkehr ein. Das erste Bahnhofsgebäude in Fürth fiel 1938 der Spitzhacke zum Opfer, dagegen überdauerte das Nürnberger Gegenstück zwar den Zweiten Weltkrieg - nicht aber das Wirtschaftswunder. 1952 musste es dem Strassenbau weichen ...

“Ich erachte den Bau einer Eisenbahn zwischen Fürth und Nürnberg nicht nur als wünschenswert, sondern auch als leicht ausführbar. Meine wärmste Förderung und Unterstützung wolle man sich versichert halten.”

Der bayerische König pflegte nämlich in Bad Brückenau regelmässig zu kuren und wünschte eine Verbesserung der beschwerlichen Reisen.

... und übrigens, die erste Bahn in Bayern fuhr erst 1840 zwischen  Augsburg und München  ...
Gemälde: Karl Stieler, 1826

1825 gestattete der Monarch den Aufbau einer Versuchseisenbahn im Schloßpark von Nymphenburg und im folgenden Jahr teilte er dem Fürther Bürgermeister mit:

Karte der Bahnstrecke

Text: Jürgen Dill

Quellen:

Nürnberg - Fürth (Ludwigsbahn)


Gründung der Eisenbahn-Gesellschaft

 

14.05.1833

 

Konzession an die Ludwigsbahn - LEG

 

19.02.1834

 

Beginn der Bauarbeiten

 

Frühjahr 1834

 

Erste Probefahrt

 

16.11.1835

 

Eröffnungsfeier

 

07.12.1835

 

Aufnahme des planmäßigen Betriebes

 

08.12.1835

 

Teilweise zweigleisiger Ausbau

 

1893 bis 1903

 

Stillegung Gesamtverkehr

 

01.11.1922

 

Auflösung des Unternehmens

 

01.01.1970

 

Betriebsstellen

Streckenchronik

Kursbuchstrecke 414a / Nürnberg - Fürth (Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft - LEG)

Nürnberg - Ludwigsbahnhof

 

km 0,0

 

Fürth - Ludwigsbahnhof

 

km 6,04

 
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Von der ersten Schienenverbindung für den öffentlichen Verkehr in Deutschland ist leider so gut wie nichts mehr erhalten geblieben. Diese Diaschau lässt daher nur noch erahnen, wie die Erfolgsgeschichte der Eisenbahn begonnen hatte.

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Streng genommen: Bei der Ludwigsbahn handelte es sich um keine Lokalbahn, denn dieses Gesetz wurde erst viel später verabschiedet. Wegen ihrer Einstufung als private Nebenbahn verdient diese Bahnstrecke hier erwähnt zu werden und den Reigen in Mittelfranken anzuführen.

Die Bayerische Ludwigsbahn heute