Lokalbahn von Haßfurt nach Hofheim

Durch Politik erschaffen, durch Politik wieder zerstört...

Lokalbahn-Ecke

...so lässt sich die Geschichte dieser Lokalbahn überschreiben. Der ursprünglich vorgesehene Bahnbau auf direktem Wege durch den Nassachgrund kam wegen des Desinteresses der Haßfurter Stadtväter nicht zustande. Erst als sich die Enklave Königsberg des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha ebenfalls für einen Bahnanschluß stark machte, hatten die Hofheimer Bahnwünsche Aussicht auf Erfolg. So ändern sich die Zeiten. Hundert Jahre später sollten einseitige Interessen einer Königsberger Firma ausreichen, dem „Hofheimerle“ auf politischer Ebene den Garaus zu machen!

Gerade Königsberg setzte sich anno 1882 energisch für den Bahnbau ein. Die Stadt, als auch der Distrikt Haßfurt hatten allerdings schon damals kein Interesse an einer solchen Bahnlinie. In Hofheim dagegen gründete man am 15. Januar 1886 trotzdem ein Eisenbahn-Komitee. Dieses Unternehmen war letztendlich von Erfolg gekrönt. Zeitweise wünschte man sogar einen Weiterbau der Linie bis nach Burgpreppach, zumal der dort gebrochene Sandstein beim Bau des Frankfurter Hauptbahnhofes und Reichstages in Berlin Verwendung gefunden hatte. Die Steine mussten damals mühsam per Pferdefuhrwerke vom Steinbruch zum Haßfurter Bahnhof gekarrt werden müssen. Dieses Vorhaben scheiterte aufgrund der hohen zu erwartenden Bau- und Betriebskosten für diesen Abschnitt.

Die Streckenführung von Haßfurt nach Königsberg querte mehrere aus den Haßbergen zur Nassach abfließende Gewässer. Der Umweg über Königsberg hatte eine maximale Neigung von 28,6 Promille im unteren Streckenabschnitt zwischen Maintal und dem Nassachgrund zur Folge. Die Lokalbahn schlängelte sich vorwiegend durch die weiten Felder des Haßgaues, größere Kunstbauten waren nur bei Junkersdorf und nahe der Aurachmühle nahe der Haltestelle Rügheim erforderlich.

Wenig spektakulär verliefen die Betriebsjahre bis zum Zweiten Weltkrieg. Erwähnenswert sind mehrere Entgleisungen und ein Tieffliegerangriff auf den Zug, bei dem ein Todesfall zu beklagen war. Nach dem Krieg kam etwas Abwechslung in den Betriebsdienst dieser Nebenbahn: Die Bamberger 98 1033 stand für einige Zeit auf dem „Hofheimerle“ im Einsatz. Dieser Sonderling, eine Weiterentwicklung der bayerischen GtL 4/4 mit einem zusätzlichen Laufradsatz unter dem Führerstand, erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und damit 5 km/h schneller als die vierachsigen Schwestern.

Das Intermezzo währte jedoch nicht lange, schon im Herbst 1946 verabschiedete sich dieser Typ wieder von der Strecke. Dagegen blieben die mit einem Vorlaufradsatz ausgerüsteten Lokomotiven der Baureihe 98.11 (GtL 4/5 Umbau) so lange, bis im November 1959 moderne Schienenbusse der Baureihe VT 98 die Nachfolge antraten. Vor lokbespannten Zügen kam die Baureihe 86 in den Nassachgrund, aber bereits zum Sommerfahrplan 1963 übernahmen neue V100.10 diese Leistungen. Auch die Diesellok V 80 zählte zu den regelmässigen Gästen auf dem „Bähnle“, alle zehn Exemplare dieses Loktyps standen in Diensten des Betriebswerkes Bamberg, welches seine Lokomotiven und Triebwagen auf die Strecke Haßfurt - Hofheim schickte.

Die politischen Weichenstellungen der Nachkriegszeit begannen ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts Früchte zu tragen. Nach ersten Angebotsverschlechterungen und parallelem Busverkehr sowie Einstellung des Wochenendverkehrs leitete die Bundesbahn den Abwärtstrend gezielt ein. Wer das Angebot an Zugfahrten kannte, staunte nicht schlecht über die erreichten Fahrgastzahlen dieser Bahnlinie. Grund dafür war der 1965 neu eingerichtete Haltepunkt am Haßfurter Gymnasium. So konnten drei Jahrzehnte lang erfolgreich viele Generationen von Schülern unbeschadet die „Penne“ erreichen, ohne den unkalkulierbaren Gefahren des Individualverkehrs ausgesetzt zu sein.

- Hofheimerle -

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Oberfranken
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Hofheimerle
Unterfranken

Gesetz zum Bau und Betrieb

30.04.1886

Staatsvertrag mit Sachsen-Coburg-Gotha

08.06.1889

Baubeginn

29.12.1890

technische Abnahme

07.03.1892

Aufnahme des planmäßigen Betriebs

15.03.1892

Letzter Güterzug

23.09.1994

Letzter Personenzug

28.07.1995

Stillegung der Infrastruktur

30.11.1995

Beginn der Rückbauarbeiten

02.07.1996

Abschluß der Rückbauarbeiten

04.02.1997

Karte der Lokalbahn

Zeichnung: J. Dill

Betriebsstellen

Streckenchronik


Text: Jürgen Dill

Quellen:

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Lokalbahn

Auch das war einmal, denn manche Politiker vertreten nicht immer den Willen vieler Wähler, vielmehr sehen sich einige dieser Damen und Herren verpflichtet, mal was Gutes einem ihrer „Gönner“ gegenüber zu tun! Was nutzten da all die Phrasen und wohlklingenden Reden anläßlich des 90jährigen Bestehens dieser Bahn, wenn sich zehn Jahre später nur noch wenige Amtsträger an ihr „Geschwätz von Gestern“ erinnern wollen. Und gerade die Fränkischen Rohrwerke in Königsberg haben den Todesstoß gefordert: Für die Firma sei es lebensnotwendig, daß die zukünftig das Firmengelände „durchschneidende“ Bahn doch endlich den Betrieb aufgibt! ... so war die damalige Forderung der Geschäftsleitung. Sogar eine Umfrage und Unterschriftenaktion unter den Mitarbeitern wurde gestartet - die feste Meinung der Firmenleitung war aber der Belegschaft schon damals klar. Wenn man also seinen Job behalten wollte, stimmte man gegen die Bahnlinie – damit war diese Umfrage sicher wenig objektiv. Bleibt abzuwarten, ob diese Firmengeschichte auch das stolze Alter von 100 Jahren erreichen wird – 103 Jahre jedenfalls kann das „Hofheimerle“ sich in der Geschichte verewigt sehen.

Nicht alle haben tatenlos zugesehen, wie diese wichtige Lebensader ins Haßgau mutwillig zerstört wurde. Viele private Initiativen und der Fahrgastverband PRO BAHN e. V. setzten sich massiv für den Erhalt der Schienenverbindung ein. Das Landratsamt Haßberge gab nacheinander drei verschiedene Gutachten in Auftrag, bis endlich die gewünschte Formulierung „... man könne auch auf die Bahn verzichten ...“ im Wortlaut auftauchte. Aller Einsatz nutzte jedoch nichts - es sollte nicht sein. Noch zu Beginn der Bahnreform wurde das Hofheimerle die letzte Strecke, deren Personenverkehr stillgelegt wurde. Nicht einmal die Zusage des Freistaates Bayern, welcher den Betrieb auf der Nebenbahn auf eigene Rechnung weiterführen wollte, interessierte die Haßfurter „Regionalfürsten“. Die Freunde dieser Bahn schickten den letzten Planzug mit Protestbannern auf die Strecke. Stattdessen haben die Herren den defizitären und unbequemeren Busbetrieb den Steuerzahlern im Landkreis aufgezwungen. So ist es halt im Haßgau – wie schon zu Anfang erwähnt: Durch Politik erschaffen, durch Politik wieder zerstört! Servus „Hofheimerle“!

Haßfurt a. Main

km 0,0

Hassfurt-Gymnasium Hp (ab 1965)

km 1,5

Prappach Hp (bis 1924)

km 5,0

Königsberg i. Bayern

km 7,7

Junkersdorf b. Hofheim Hp

km 10,9

Rügheim

km 13,5

Hofheim i. Ufr.

km 15.5

Kursbuchstrecke 419a Haßfurt (a. Main) - Hofheim (i. Ufr.)

Literatur-Tipp

25 Abbildungen in der Galerie: Aufnahmen Jürgen Dill

Hassliebe

Lange ist es schon her, als das “Hofheimerle” sicher seine Fahrgäste durch den ländlichen Haßgau befördert hat. Für viele Bewohner war es Jahrzehnte ein zuverlässiges Verkehrsmittel. Mit dieser kleinen Bildergalerie möchten die Erinnerungen daran wach gehalten werden. Denn bei gegenwärtigen Besuchen der Strecke ist oft nicht zu glauben, dass es einmal Schienen im Haßgau gab. Wie die Zeit viele Motive verändert hat, zeigt ein Vergleich mit aktuellen Aufnahmen. Und nun viel Spaß bei einer virtuellen Fahrt durch den Haßgau.

Das Hofheimerle damals & heute

Koenigsberg

Lokalbahn-Modelle.de / AUSFLUG-TIPP: Lehmann´s Eisenbahnmuseum in Hofheim, ein Besuch in der Endstation lohnt immer!