Lokalbahn von Rottershausen nach Stadtlauringen
Nur knapp 60 Jahre lang hatten Bevölkerung und Industrie des Lauertales einen eigenen Bahnanschluß, bevor die Menschen für ihre Verkehrs- und Transportbedürfnisse andere Wege finden mußten. Der Hauptgrund dafür war bei der
“Lauermärt”, wie sie im Volksmund liebevoll genannt wurde, sicher nicht nur im stetig wachsenden Individualverkehr und der Angebotsumstellung auf den Bus zu finden, vielmehr stellte die ungünstige Streckenführung das
hauptsächliche Problem dar. Bereits zu Zeiten der Planung dieser Lokalbahn wurden verschiedene Trassierungen in Erwägung gezogen. Jedoch gab die Überwindung der auf rund 400 Höhenmeter liegenden Wasserscheide zwischen Main und Fränkischer
Saale, sowie auch die Nähe zur Hauptlinie Schweinfurt - Erfurt, der Streckenführung durch das Lauertal den Zuschlag.
Die überwiegend landwirtschaftlich strukturierte Bevölkerung hatte vielfach lukrativere Verdienstmöglichkeiten in der Schweinfurter Großindustrie gefunden. Während die Arbeitsplätze über die Straße nur rund 20 Kilometer
entfernt lagen, nahm eine Fahrt mit dem Zug fast die doppelte Strecke in Anspruch. Nachteilig wirkte sich zudem aus, dass die Bahnverwaltung keine durchgehenden Züge von Schweinfurt nach Stadtlauringen angeboten hat. Vielmehr mußten alle
Reisenden in Rottershausen umsteigen.
Beginnend in Rottershausen fuhren die Lokalbahnzüge über die Hauptstrecke durch den vierhundert Meter langen Rottershäuser Tunnel und zweigten erst nach 2,2 Kilometern an der Abzweigstelle Rannungen nach rechts ab. Diese
Betriebsstelle war jedoch nicht nur als Abzweigstelle für die Bahn wichtig geworden, in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entstand in den weitläufigen Wäldern westlich der Hauptstrecke eine große Munitionsfabrik. Nur 300 Meter
entfernt vom Lokalbahnabzweig führte ein weiteres Gleis mitten in den Wald zur “Muna”. Um diesen Gleisanschluß entsprechend zu tarnen, wurde das große Stellwerk hierfür direkt an die Abzweigstelle der Lauertalbahn gebaut. Die
Weichen auf die Nebenbahn wurden jedoch nie von diesem Stellwerk aus gestellt.
Die Strecke bezwang mit einer maximalen Neigungen von 29,5 Promille den Bergrücken vor Poppenlauer. Bis auf das hölzerne Agenturgebäude in Rothhausen verfügten alle Betriebsstellen über steinerne Stationsgebäude. Rothhausen
ist bei Modellbahnern auch bekannt durch die Firma Pola, die hier mit ihrer Produktionshalle unweit des Bahnhofes angesiedelt war. Diese Station verfügte lediglich über ein kurzes Ladegleis und blieb daher die kleinste Betriebsstelle
entlang der gesamten Strecke. Die Ausfuhr aus dem Verkehrsgebiet umfaßte vorwiegend Land- und Forstwirtschaftliche Produkte, unter anderem Zuckerrüben und Grubenholz. In der Gegenrichtung brachte der Zug neben den gewöhnlichen
Gebrauchsgegenständen hauptsächlich Kohle, Baumaterial, Kunstdünger und Mehl in den Talgrund.
Text: Jürgen Dill
Quellen:
- Fränkische Nebenbahnen - Mittel- und Unterfranken / W. Bleiweis, E. Martin / Verlag Bufe
- Lokalbahn Rottershausen – Stadtlauringen / J. Dinkel / Facharbeit 2000, Gymnasium Bad Königshofen
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Gesetz zum Bau und Betrieb
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feierliche Eröffnung der Lokalbahn
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Aufnahme des planmäßigen Betriebs
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Einstellung des Personenverkehrs
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Einstellung des Güterverkehrs
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amtliche Stillegung des Gesamtverkehrs
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Beginn der Rückbauarbeiten
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Abschluß der Rückbauarbeiten
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Kursbuchstrecke 418e Rottershausen - Stadtlauringen
Während die direkt nach Schweinfurt führenden Buslinien von privaten Unternehmen in der Bevölkerung ab den fünfziger Jahren dank ihrer flexiblen Fahrplan- und Routengestaltung immer mehr Beliebtheit fanden, wurde bei der
Deutschen Bundesbahn schon über die Stillegung der Lokalbahn nachgedacht. In den Gemeinden des Lauertales entwickelte sich aber Widerstand, hoffte man doch gerade in Stadtlauringen ganz besonders auf die geplante (und später wieder
verworfene) Bundeswehr-Garnison. Die Gemeinde wäre sogar bereit gewesen, einmalig DM 50 000,- zu zahlen, um die bevorstehende Stillegung abzuwenden. Letztlich wich der Kampf um den Fortbestand der Bahnlinie der Resignation, nachdem 26
Protestschreiben an Minister, Gremien und Behörden ohne jegliche Antwort blieben. Am 3. Oktober 1959 dampfte der letzte Personenzug durch das Lauertal. Im November 1960 folgte der Abbau aller Bahnanlagen. Die beiden Lokomotiven 98 877 und
98 1117 transportierten abwechselnd die mit den Gleisjochen beladenen Wagen aus dem Lauertal ab.
Heute erinnern nur noch die gut erhaltenen Stationsgebäude in Poppenlauer, Maßbach, Rothhausen und Stadtlauringen. Auch am ehemaligen Abzweig Rannungen sind beide Stellwerke erhalten geblieben – genutzt als
Wochenenddomizil von einem Jagdpächter. Noch bis in das Jahr 1971 stand der Lokschuppen mit Wasserturm in Stadtlauringen, inzwischen mußte er dem Neubau einer Lagerhalle weichen. Von der hiesigen Bevölkerung wurde ihre Bahn auch liebevoll
“Lauermärt” genannt wurden. Im Fränkischen ist Märt der Spitzname von Martin.
Auch die Lauertalbahn ist in Spur N teilweise erhalten geblieben. Das Modul “Rothhausen”
erinnert an diese schmucke Haltestelle. Als Besonderheit fränkischer Lokalbahnen galt die einstige Ausführung von der Hauptstrecke am Zwischenblock Rannungen. Auch hier ist ein Modell im Entstehen; eine Beschreibung des Moduls
“Abzweigstelle Rannungen” .folgt nach Baufortschritt ebenfalls in der Modellbahn-Ecke.
Diese Bildergalerie zeigt Bahnrelikten und Betriebsaufnahmen der Lokalbahn. Aufsteigend nach Streckenkilometer kann man entdecken was der Bagger noch übrig gelassen hat und vom Zahn der Zeit weitgehend verschont
geblieben ist. Einige Gebäude sind heute in Privateigentum und werden von den neuen Besitzern liebevoll gepflegt.
Mit einer guten Straßenkarte kann der automobile Eisenbahnfreund die Zeitzeugen des Bahnzeitalters erkunden. Mit einem “Klick” auf das Foto ist die virtuelle Bahnarchäologie aber auch auf dieser Seite zu erleben.
Viel Spaß dabei.
12 Abbildungen in der Galerie. Aufnahmen: Jürgen Dill, Hans Rost