Lokalbahn von Seligenstadt (b. Wü.) nach Volkach

Dem Kenner fränkischer Gaumenfreuden fällt bei den Worten “Mainschleife“ und “Volkach“ sicher gleich die Weinlage “Kirchberg” ein. In diesem Bereich, mitten im Fränkischen Weinland, zwingt ein steiler Bergrücken den Main ab Untereisenheim bzw. Fahr zu einem Umweg. Auf dem Bild rechts ist der Blick vom Haltepunkt Escherndorf hinunter ins Maintal zu sehen. Die sonnenverwöhnten Weinberge sind verantwortlich für klangvolle Namen wie “Obereisenheimer Höll”, “Sommeracher Katzenkopf”, “Nordheimer Vögelein” und “Escherndorfer Lump”. An der östlichen Spitze der Flußschleife liegt das mittelalterlich geprägte Städtchen Volkach, zugleich lange Zeit Endstation der Mainschleifenbahn.

- Mainschleifenbahn -

Gesetz zum Bau und Betrieb

10.08.1904

Baubeginn

01.10.1907

technische Abnahme

08.02.1909

Eröffnungsfeier

14.02.1909

Aufnahme des planmäßigen Betriebs

15.02.1909

Sprengung der Mainbrücke bei Astheim

07.04.1945

Einweihung der Behelfsbrücke

06.03.1949

Stillegung Personenverkehr

28.09.1968

Betriebseinstellung Prosselsheim - Volkach

01.10.1991

Stillegung Gesamtverkehr

28.05.1994

Gründung IG Mainschleifenbahn

September 1994

Verhinderung des Streckenrückbaus

Juli 1995

Ausbau Anschlußweiche durch DBAG

17.10.1998

Gründung Förderverein Mainschleifenbahn

Februar 1999

Gründung der Betriebsgesellschaft

März 2001

Wiedereröffnung der neuen Touristikbahn

13.09.2003

Kursbuchstrecke 418a Seligenstadt - Volkach

Karte der Lokalbahn

Betriebsstellen

Streckenchronik

Seligenstadt

km 0,0

Prosselsheim

km 2,2

Untereisenheim

km 5,0

Escherndorf

km 6,1

Vogelsburg

km 7,2

Astheim

km 10,0

Volkach

km 10,6

Mainschleifenbahn
Die Mainschleife

Ausgehend von der Ludwigs-West-Bahn Bamberg – Schweinfurt – Würzburg zweigt die Lokalbahn unweit des Gutes Seligenstadt in östlicher Richtung ab und erreicht über die weitläufige Gaulandschaft nach zwei Kilometern zunächst Prosselsheim. Landwirtschaftliche Produkte des Maindreiecks prägten hier den Güterverkehr. Nun führt das Schienenpaar zunächst in das Mühlbachtal hinab, um nach einem weitem Bogen auf der anderen Talseite wieder an Höhe zu gewinnen. Vor Untereisenheim wird die Wasserscheide zum Main bezwungen. In der gleichnamigen Haltestelle mußten grundsätzlich alle Züge anhalten, um vor der anstehenden Talfahrt nochmals die Funktion der Bremsen zu prüfen. Nach Überquerung der Staatsstraße und kurzer Fahrt entlang des Bergrückens erreicht das im Volksmund auch liebevoll genannte “Säuferbähnle“ den Haltepunkt Escherndorf. Der gleichnamige Weinort, übrigens das niederschlagsärmste Gebiet in Franken, liegt tief unten im Maintal.

Text: Jürgen Dill, Wolfgang Bleiweis

Quellen:

Um nach Volkach zu gelangen, rollen die Züge auf einer Länge von fünf Kilometern etwa hundert Höhenmeter hinab. Dazu mußte die Trasse nördlich der Vogelsburg stetig fallend an den steilen Hang geschmiegt werden. Bei Astheim erreicht das Gleis den Main, um auf die gegenüberliegende Flußseite zu gelangen. Die Mainbrücke entstand bereits 1890 als reine Straßenbrücke. Als später auch Züge darüber fahren sollten, mußte das Bauwerk verstärkt werden. Seither rollen Bahn und Individualverkehr gemeinsam über die Brücke. Kurz vor Kriegsende sprengte die Wehrmacht am 7. April 1945 in einem sinnlosen Verteidigungsversuch auch diesen Verkehrsweg über den Fluß. So avanchierte die Haltestelle Astheim für vier Jahre zur Endstation. Auch die 1949 fertiggestellte Behelfsbrücke nahm wieder beide Verkehrsträger auf. Am anderen Ufer verliess das Schienenpaar die Fahrbahn und erreichte nach einem Rechtsbogen den Endbahnhof.

In den achtziger Jahren keimten ernsthafte Überlegungen auf, die behelfsmäßige Stahlkonstruktion über den Main durch einen Neubau zu ersetzen. Neben dem regionalen Güterverkehr und Militärzügen gehörten auch zahlreiche Ölzüge ins Volkacher Großtanklager zum Verkehrsaufkommen. Nachdem die Mineralöltransporte von 34 im Jahr 1985 innerhalb von vier Jahren auf nur einen einzigen Zug zurückgegangen waren, leitete die Bundesbahn das Stillegungsverfahren ein. Fortan stieg jedoch deren Zahl wieder auf bis zu 59 empor. Die Stadt Volkach wehrte sich unterdessen vehement gegen die bevorstehende Stillegung. Auch die seitens des Tanklagers angebotene Transportgarantie mit der Bundesbahn, welche eine langfristige Perspektive bieten sollte, blieb ohne Erfolg. Am Spätnachmittag des 30. September 1991 rollte der letzte Ölleerzug über die Strecke. Mit der offiziellen Stillegung zum 28. Mai 1994 wurde seitens der Deutschen Bahn AG der endgültige Schlußstrich gezogen. Der anstehende Rückbau aller Bahnanlagen konnte dennoch in letzter Minute verhindert werden.

Ihren Personenverkehr verlor das “Säuferbähnle“ bereits im Herbst 1968, obwohl eine Reisezeit mit nur dreißig Minuten von Volkach zum Würzburger Hauptbahnhof durchaus realistisch wäre – umsteigefrei versteht sich! Dieser nicht unwichtige Tatbestand veranlaßte im Stillegungsjahr einige Eisenbahnfreunde, Winzer und Gastronomen dazu, eine Interessensgemeinschaft zur gründen, welche im Februar 1999 im Förderverein Mainschleifenbahn e. V. aufging. Im Juni 1996 verkehrte nochmals ein neuer Talent-Triebwagen der Aachener Firma Talbot zur Demonstration eines attraktiven Regionalverkehrs über die Strecke. Doch mit dem Ausbau der Anschlußweiche in Seligenstadt wurde die Mainschleifenbahn am 17. Oktober 1996 abgehängt.

Der Verein ließ sich dadurch aber nicht verunsichern und hielt an seinen Zielen fest. Innerhalb weniger Jahre haben es die aktiven Mitglieder geschafft, den Bewuchs zu entfernen und alle Bahnanlagen wieder in betriebssicheren Zustand zu versetzen. Für den Anschluß an die Regionalzüge in Seligenstadt entstand in Höhe des ehemaligen Einfahrsignals ein neuer Bahnsteig. Vom Bahnhof ist die Mainschleifenbahn auf einem kurzen Fußweg (ca. 250 Meter) zu erreichen. In Prosselsheim, als einzige Zwischenstation noch mit einem Nebengleis ausgestattet, richtete der Verein sein Domizil ein. Volkach-Astheim, auch hier befindet sich ein neu geschaffener Bahnsteig, heisst heute die Endstation. Im September 2003 startete der rot lackierte Schienenbus zur Jungfernfahrt. Seither bietet der Verein im Sommerhalbjahr sonn- und feiertags planmäßigen Touristikverkehr an, während der Weinlese sogar samstags. Der Schienenbus durfte jedoch nicht mehr über die Mainbrücke rollen. Wie ein Widerspruch erschien es, dass täglich Busse und schwere “Könige der Landstraße” das Bauwerk passieren durften, sogar Militärfahrzeuge der Bundeswehr. Aber auch das ist inzwischen Geschichte: nach Fertigstellung der neuen Mainbrücke erinnert am westlichen Flußufer seit Herbst 2011 nur noch das Fundament mit einem Brücken-Segment an die jahrzehntelange Behelfskonstruktion. Als neues Kulturgebäude soll zukünftig das Astheimer Brückenhaus genutzt werden und auch der Mainschleifenbahn gebührenden Raum geben ...

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Lokalbahn-Ecke
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Modellbahn-Ecke

Diese Bildergalerie zeigt Aufnahmen entlang der Strecke und Bahnrelikten auf dem stillgelegten Teil der Lokalbahn. Aufsteigend nach Streckenkilometer kann man entdecken was die Aktiven der “Mainschleifenbahn” in Ihrer Freizeit liebevoll der Nachwelt erhalten haben. In den Sommermonaten ist an Samstagen und Sonntagen regelmässig Betrieb auf der Strecke.

Der Eisenbahnfreund unterstützt am Besten mit dem Kauf einer Fahrkarte den Streckenerhalt und erkundet den Weg zur Mainschleife im Schienenbus. Mit einem “Klick” auf das Foto ist die virtuelle Bahnreise aber auch auf dieser Seite zu erleben. Viel Spaß dabei.

11 Abbildungen in der Galerie: alle Aufnahmen Jürgen Dill

MainschleifeHeute

Literatur-Tipp

Mainschleifenbahn
Oberfranken
Mittelfranken
Unterfranken

Lokalbahn-Modelle.de / LINK-TIPP: Weitere Informationen zur Strecke gibt es auf der Website von der MAINSCHLEIFENBAHN


Die Mainschleifenbahn heute

ISBN 978-3-930840-15-1

ISBN 3-930840-14-6

Die Mainschleife Buch