Aufnahme: Jürgen Dill

Lokalbahn von Dettelbach-Bahnhof nach Dettelbach-Stadt

- Schnäfterle -

Text: Jürgen Dill

Quellen: Fränkische Nebenbahnen - Mittel- und Unterfranken / W. Bleiweis, E. Martin / Verlag Bufe

Steckenchronik

Gesetz zum Bau und Betrieb

 

17.06.1896

 

Baubeginn

 

November 1899

 

technische Abnahme

 

20.08.1900

 

feierliche Eröffnung der Lokalbahn

 

30.08.1900

 

Aufnahme des planmäßigen Betriebs

 

01.09.1900

 

Einstellung des Personenverkehrs

 

02.10.1960

 

Einstellung des Güterverkehrs

 

01.01.1967

 

amtliche Stillegung des Gesamtverkehrs

 

26.05.1968

 

Abschuss der Rückbauarbeiten

 

Juli 1968

 

Betriebsstellen

Kursbuchstrecke 416c Dettelbach Bahnhof - Dettelbach Stadt

Karte der Lokalbahn

Mit der Inbetriebnahme der Staatsbahnstrecke Fürth - Rottendorf (- Würzburg) am 19. Juni 1865 hat auch das Städchen Dettelbach den Anschluß an das Eisenbahnnetz erhalten. Allerdings führt diese Strecke von Rottendorf ansteigend auf die Hochebene innerhalb des Maindreiecks und senkt sich bei Dettelbach Bahnhof wieder in das Maintal hinab, um bei Kitzingen den Strom zu überqueren. Dettelbach dagegen liegt direkt am Main und damit rund fünfeinhalb Kilometer entfernt von seinem Bahnhof. Das veranlasste die Stadtväter 1881 die Bahn näher an die Stadt heran geführt zu bekommen. Nachdem mit einer Vollbahn nicht mehr zu rechnen war, wollten die Dettelbacher selbst mit einer Privatbahn eine Lösung schaffen, die gesetzlichen Grundlagen für Lokalbahnen waren schließlich erst 1886 (?) geschaffen worden. Als 1885 bei Schwarzenau ein Brückenschlag über den Main genehmigt wurde, ist unverzüglich eine Pedition an die Kgl. Bayer. Staatsregierung geschickt worden, eine Lokalbahn von Ebrach über Wiesentheid nach Dettelbach zu bauen. Man wollte durch die kostengünstige Lösung der Brückenmitbenutzung dieser Linie besondere Erfolgsaussichten ermöglichen, außerdem waren nicht weniger als 30 Gemeinden für dieses Projekt.

In Dettelbach rechnete man inzwischen fest mit einer Chance auf eine Steigerwaldbahn, jedoch lagen in München auch die Projekte der Linien Volkach - Gerolzhofen, Waigolshausen - Wipfeld - Gerolzhofen, Waigoshausen - Wipfeld - Volkach - Gerolzhofen und Markt Bibart - Gerolzhofen auf dem Tisch. Alle Eingaben hatten zum Ziel das Steigerwaldvorland um Gerolzhofen bahntechnisch zu erschließen, wobei zu entscheiden war, ob sich eine Ost-West- oder Nord-Sd-Verbindung sinnvoller wäre. 1888 bekam schließlich die heutige Strecke von Kitzingen über Gerolzhofen nachSchweinfurt den Zuschlag, wobei der Abschnitt Gerolzhofen - Schweinfurt erst zehn Jahre später realisiert wurde.

Dettelbach ging damit wieder leer aus und die Steigerwaldbahn in Ost-West-Richtung war damit vom Tisch. So besann man sich auf eine Verbinduhngsbahn zwischen der Stadt und dem bestehenden Bahnhof an der Hauptstrecke zurück, aber die im Februar 1888 gerichtete Pedition wurde abermals als wenig Rentabilitätsversprechend zurückgewiesen. Zehn Jahre später sollten die Dettelbacher aber doch noch Erfolg haben, am 17. Juni 1896 ist die Baugenemigung erteilt worden. Am 21 August 1900 war das lange Ringen um eine Direktverbindung dann positiv ausgegenagen, der erste Zug erreichte die Winzerstadt gegen vier Uhr nachmittags. Neun Tage danach erfolgte dann die Aufnahme des planmäßigen Betriebs, selbstverständlich wurde dieses Ereignis gebührend gefeiert.

Die Lokomotiven mühten sich fortan in sieben Zugpaaren die 1:50 Steigung hinauf. Da die Loks hierbei angestrengt schnauften, hatte die Bevölkerung schnell den Spitznahmen für ihr Bähnle gefunden, das „Schnäfterle“ war geboren. In den folgenden Betriebsjahren konnte die Strecke neben dem örtlichen Güter- und Personenverkehrsaufkommen auch zahlreiche Pilgerzüge verzeichnen. Schließlich war Dettelbach neben Altötting und Vierzehnheiligen einer der wichtigsten Wallfahrtsorte im Königreich Bayern. Die Lokomotiveinsätze beschränkten sich in den ersten Jahren auf die Baureihen D VII, 1909 fanden dann Probefahrten des „Glaskastens“ ML 2/2 auf dem „Schnäfterle“ statt. Jedoch blieb es bei diesen Fahrten, die starke Steigung aus dem Maintal auf die Hochebene hinauf beschied den leichten Loks wahrscheinlich wenig Erfolg. So blieb die D VII dem Biebergauer Grund etwa bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts erhalten. Von nun an kam mit der GtL 4/4 (Baureihe 98.8) und der Malletlok BB II (Baureihe 98.7) Abwechslung in den Lokpark.

Der Zweite Weltkrieg ging an der Bahn fast spurlos vorbei, lediglich ein Luftangriff traf den Zug. Ein Kampfflugzeug der Alliierten griff den wehrlosen Personenzug in „heldenhaftem Einsatz“ kurz nach Biebergau im Tiefflug an. Neben einigem Blechschaden an den Fahrzeugen mußte leider auch der Tod eines jungen Mädchens auf der Bilanz der späteren Siegermächte verzeichnet werden. Nach Kriegsende wurde der Betrieb wie auf zahlreichen anderen Nebenstrecken erst einmal eingestellt. Er konnte aber schon im Oktober 1945 wieder aufgenommen werden.

Mit der Baureihe 64 kam die erste Einheitslok in den Biebergau, jedoch war die Maschine für den Dettelbacher Lokschuppen zu lang, so daß die Tore nachts nicht geschlossen werden konnten. Nach nur kurzem Stelldichein der Neubauloks kam die beim Personal wenig beliebte 89.8 in das Tal. 89 832 war nun jahrelang Stammlok auf der Strecke; dem Personal wurde wegen fehlender Läuteeinrichtung der eigentlichen Rangierlok eine Hadglocke mitgegeben, um an den Überwegen vorschriftsmäßig Signal geben zu können. Ende 1951 probierte die junge Bundesbahn die neuen Schi-Stra-Busse auf dem Schnäfterle aus. Schnell wurden wieder Gedanken an die einmal geforderte Steigerwaldbahn wach, als das Multifunktionsfahrzeug von Bamberg über Ebrach auf der Schiene, dann per Straße bis Dettelbach-Stadt, und von hier aus wieder auf der Schiene bis nach Würzburg verkehrte. Leider blieb es nur bei diesen Testfahrten.

Lautertalbahn heute

Auf der Strecke nahmen die Fahrgastzahlen inzwischen aber stetig ab, da die Bevölkerung sich mehr und mehr der Faszination des privaten Personenkraftwagens hingab. Die Bundesbahn reagierte mit der Beantragung der Angebotsumstellung auf Bahnbusse. Der Startschuß eines jahrelangen, schließlich aber vergeblichen Kampfes der Stadt Dettelbach war so Mitte der 50er Jahre gegeben worden. Nach und nach stellte die DB ihre Serviceleistungen auf der Strecke ein. Unter massiven Protest der Dettelbacher hatte die Bundesbahn ihren Plan auf Einstellung des Personenverkehrs erst einmal 1956 fallen lassen, aber in den schwächeren Verkehrszeiten ersetzte vortan der Bus den Schienenverkehr. Weiterhin wurden an Sonntagen alle Züge „verkraftet“ und auch der werktägliche Berufsverkehr wurde mit kostengünstigeren Triebwagen abgewickelt. Durchgehende Züge von Dettelbach-Stadt nach Würzbug Hbf waren jedoch nicht möglich, da in Dettelbach Bf eine durchgängige Weichenverbindung fehlte, das Umsetzen war damit nicht zu umgehen. So kam schließlich doch wieder die „altmodische“ Dampflok auf der Strecke zum Einsatz, welche so gar nicht mehr zum Zeitgeist der Wirtschaftswundergeneration passen wollte.

Die Dettelbacher erreichten dagegen mit den andauernden Protesten, daß je eine Leistung am Morgen und am Abend zusätzlich neu eingerichtet wurde. Das änderte aber schließlich nichts daran, daß die DB am 2. Oktober 1960 den Personenverkehr auf dem Schnäfterle einstellte. Der Güterverkehr konnte sich aufgrund „technischer Mängel“ auch nur noch bis Dezember 1966 halten, immerhin kamen dadurch noch die modernen Dieselloks der Baureihe V100 nach Dettelbach. Die Strecke blieb von nun an verweist und die Natur holte sich das Areal langsam zurück. Formell ist der Gesamtverkehr auf der Strecke am 26. Mai 1968 eingestellt worden. Noch im Sommer begannen die Abbrucharbeiten, zu deren Anlaß eine weitere Baureihe, die 260 in den Biebergau gelangte. Nach rund zwei Wochen war nichts mehr vom Schnäfterle übrig geblieben. Der Archäologe unter den Eisenbahnfreunden findet heute nur noch mühsam die Spuren der kürzesten Lokalbahn Mainfrankens.

Dettelbach Bahnhof

 

km  0,0

 

Biebergau

 

km  1,6

 

Dettelbach Stadt

 

km  5,5

 
Zeichnung: Jürgen Dill
Lokalbahn-Ecke
Hauptseite
Modellbahn-Ecke

Das “Schnäfterle” heute

kurze Strecke

6 Abbildungen in der Galerie: Aufnahmen Stefanie Schilling und Jürgen Dill

Diese Bildergalerie zeigt einige Bahnrelikten der Lokalbahn. Aufsteigend nach Streckenkilometer kann man entdecken was der Bagger noch übrig gelassen hat und vom Zahn der Zeit weitgehend verschont geblieben ist. Einige Gebäude sind heute in Privateigentum und werden von den neuen Besitzern liebevoll gepflegt.

Mit einer guten Straßenkarte kann der automobile Eisenbahnfreund die Zeitzeugen des Bahnzeitalters erkunden. Mit einem “Klick” auf das Foto ist die virtuelle Bahnarchäologie aber auch auf dieser Seite zu erleben. Viel Spaß dabei.

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