Lokalbahn von Kitzingen nach Schweinfurt

Um von Bierfranken nach Weinfranken zu gelangen, muß der Main zwei Mittelgebirge “durchbrechen“. Wie ein natürlicher Wall bilden nördlich des Flusses die Haßberge und auf der Südseite der Steigerwald eine natürliche Barriere zwischen Ober-, Mittel- und Unterfranken. An der Westflanke des Steigerwaldes fallen die Berghänge abrupt in eine rund 200 Meter tiefer gelegene Gaulandschaft zwischen Haßfurt , Schweinfurt und Iphofen. Neben ertragreichen Ernten von verschiedenen Gemüsesorten und anderen Feldfrüchten, welche die Böden dieses Schwemmlandes hervorbringt, wachsen hier auch hervorragende Weine. Der Steigerwald ist gerade an seiner Westseite ein Gebirge aus Keuper, einem Sedimentgestein, welches zwar weniger fruchtbar ist, aber dafür sehr gute wärmespeichernde Eigenschaften aufweist. Der erdige und trockene Silvaner aus dem Steigerwald repräsentiert gerade hier den ursprünglichen Frankenwein.

- Steigerwald-Express -

Gesetz zum Bau und Betrieb

 

30.04.1888 (Kitzingen - Gerolzhofen)

 

Baubeginn

 

Sommer 1891

 

technische Abnahme

 

13.11.1893

 

Eröffnungsfeier

 

17.11.1893

 

Aufnahme des planmäßigen Betriebs

 

18.11.1893

 

Gesetz zum (Weiter-)Bau und Betrieb

 

30.06.1900 (Gerolzhofen - Schweinfurt Hbf)

 

Beginn der Bauarbeiten

 

05.03.1902

 

technische Abnahme

 

18.11.1903

 

Eröffnungsfeier

 

23.11.1903

 

Aufnahme des planmäßigen Betriebs

 

24.11.1903

 

Sprengung der Mainbrücke bei Kitzingen

 

04.04.1945 (Strecke seitdem unterbrochen)

 

Stillegung Personenverkehr

 

29.05.1981 (Etwashausen - Gerolzhofen)

 

Stillegung Personenverkehr

 

30.05.1987 (Gerolzhofen - Schweinfurt Hbf)

 

letzte planmäßige Übergabe

 

27.12.2001

 

Karte der Lokalbahn

Betriebsstellen

Streckenchronik

Foto: Stefanie Schilling

Kitzingen

 

km 0,0

 

Kitzingen-Etwashausen

 

km 2,1

 

Reubelshof

 

km 4,3

 

Großlangheim

 

km 7,6

 

Kleinlangheim

 

km 10,9

 

Wiesentheid

 

km 15,7

 

Geesdorf

 

km 16,9

 

Prichsenstadt

 

km 19,8

 

Stadelschwarzach

 

km 22,6

 

Järkendorf

 

km 24,4

 

Lülsfeld

 

km 26,1

 

Frankenwinheim

 

km 27,7

 

Gerolzhofen

 

km 30,0

 

Alitzheim

 

km 34,1

 

Sulzheim

 

km 36,3

 

Grettstadt

 

km 39,9

 

Gochsheim (Ufr.)

 

km 44,5

 

Schweinfurt-Sennfeld

 

km 47,9

 

Schweinfurt Hbf

 

km 49,9

 

Text: Jürgen Dill, Wolfgang Bleiweis

Quellen:

Inmitten dieses malerischen Landstrichs liegt in weiten Getreidefeldern eingebettet die Kleinstadt Gerolzhofen, welche auch den Titel “Tor zum Steigerwald“ trägt. Verschiedene Bahnprojekte sollten vom Main nach Gerolzhofen geführt werden, angeführt von einer Variante Dettelbach - Volkach - Gerolzhofen. 1888 setzte sich jedoch die heutige Streckenführung von Kitzingen über Wiesentheid, Prichsenstadt, Stadelschwarzach nach Gerolzhofen durch. Diese zentrale Lage der Stadt im Steigerwaldvorland bot sich für die Bahn als Verkehrsknoten an. So bestand um die Jahrhundertwende der Gedanke, Volkach mit Ebrach zu verbinden. Zu beiden Ortschaften führten bereits Lokalbahnen, und Gerolzhofen hätte damit einen Bahnknoten erhalten. Bei der Streckenführung nach Ebrach wären aber die steilen Westhänge des Steigerwaldes bei Handthal mit einer 25 Promille-Rampe zu erklimmen gewesen. Dazu kam es jedoch nicht, nur die logische Weiterführung von Gerolzhofen nach Schweinfurt konnte im November 1903 in Betrieb gehen. So entstand mit rund 50 Kilometern eine der längsten Nebenbahnen im Königreich Bayern.

Das Transportaufkommen der Strecke entwickelte sich mehr als zufriedenstellend. Neben den gut ausgelasteten Güterzügen waren auch die Arbeiterzüge zur Schweinfurter Kugellagerindustrie sehr gut frequentiert. Auch das Militär zeigte Interesse an einem Bahnanschluß. In den dreißiger Jahren entstand ein Militärflugplatz bei Etwashausen, dorthin führe von der Station eine Anschlußbahn. Auch Panzer und Radfahrzeuge wurden fortan dort stationiert, womit die Bahn zwischen Kitzingen und Etwashausen-Flugplatz weiteren Verkehr aufzunehmen hatte.

Im Zweiten Weltkrieg zählte Schweinfurt mit seiner kriegswichtigen Wälzlager-Produktion des öfteren als Ziel alliierter Bomberverbände. Der Hauptbahnhof wurde dabei mehrfach schwer getroffen, die Nebenbahn dagegen war aber bisweilen verschont geblieben. Das änderte sich aber erst, als Pioniere der Wehrmacht im April 1945 gleich beide Mainbrücken dieser Strecke sprengten. Der Betrieb zwischen Kitzingen-Etwashausen und Schweinfurt-Sennfeld konnte jedoch bald wieder aufgenommen werden. Die Lokomotiven 98 1114, 98 1117 und eine 86 hielten den Dienst auf der Inselbahn aufrecht.

Nach dem Wiederaufbau der Mainbrücke in Schweinfurt teilten sich jahrelang Loks der Baureihen 86 und 50 das Transportaufkommen. Am Kitzinger Flugplatz hatte sich zwischenzeitlich die US-Army eingerichtet. Im Bahnhof Gochsheim wurden bedeutende Mengen an “Kümmerli“ (Gewürzgurken) zur ortsansässigen Konservenfabrik umgeschlagen. Aber auch Gochsheimer Feldfrüchte haben den Ort per Bahn verlassen – so kam es vor, daß der ganze Güterbereich mit Viehwagen voll stand. Um die klimatisch kühleren Regionen im nördlichen Oberfranken mit Stecklingen für die Rübenernte zu versorgen, wurden die hier aufgezogenen Pflänzchen in Kisten verpackt und verschickt. Für reges Güteraufkommen sorgte auch ein Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie in Großlangheim und Etwashausen. Nachdem die Brücke nach Kitzingen nicht mehr aufgebaut worden ist, mußten sämtliche Güter über Schweinfurt abtransportiert werden.

Trotz des regen Güteraufkommens rollte am 29. Mai 1981 der letzte Personenzug von Gerolzhofen nach Kitzingen-Etwashausen. Sechs Jahre später folgte die Angebotsumstellung auf dem verbliebenen Stück. Paradox erscheint es da, daß nur wenige Jahre zuvor das alte Agenturgemäude in Schweinfurt-Sennfeld einem neuen Zweckbau mit Aufenthaltshalle für Bahnreisende weichen mußte. Geld spielte bei der Bundesbahn wohl noch nie eine entscheidende Rolle. Die Geisteshaltung dieser Zeit degradierte bei der Bahnverwaltung die Kunden zu “Beförderungsfällen“. Das dürftige Zugangebot ließ den Fabrikarbeitern keine andere Wahl, als mit dem eigenen Kraftfahrzeug nach Schweinfurt zu fahren – was wohl auch mehrheitlich der Arbeiterklasse standesgemäßer erschien. An dieser Einstellung hat sich in der Region leider bis heute nicht viel geändert. So nimmt der Straßenverkehr bedrohlich immer weiter zu, unter dessen versiegt der ÖPNV von Jahr zu Jahr in dieser ländlichen Provinz.

Zum hundertjährigen Jubiläum stattete die Nürnberger Museumslok 50 622 der Strecke einen Besuch ab. Die Dampflok befuhr auch die in Etwashausen abzweigende Flugplatzbahn, auf dem Stück Schweinfurt – Gerolzhofen fungierte zeitgleich eine zweiteilige Schienenbusgarnitur als Zubringer. Trotz des schlechten Wetters waren die Jubiläumszüge gut besucht. Ungewöhnlich war der Besuch des modernen Talbot-Leichttriebwagens Talent, welcher mit Präsentationsfahrten am 3. Juni 1996 den Regionalpolitikern vor Ort demonstrierte, wie zeitgemäßer Personenverkehr aussehen könnte - genutzt hat es aber nicht. Im Güterverkehr kam neben der Übergabeleistung mit einer V 60 nach Gochsheim jahrelang die V 100 zum Einsatz. Zuvor war bis 1983 Aschaffenburger 215ern diese Leistung vorbehalten. Wegen der schwächeren Zugkraft der 211 wurde ein Zwei-Zug-System eingeführt, welches bis 1996 fast unverändert blieb. Mit dem Frachtaufkommen ging es von nun an permanent bergab. Zuerst wurde die planmäßige Bedienung der noch verbliebenen Tarifpunkte Gerolzhofen, Wiesentheid und Großlangheim auf “Bedarf“ umgestellt. Inzwischen setzte die Deutsche Bahn AG aus Kostengründen nur noch eine V 60 ein, ab März 2001 verlagerte schließlich der größte Kunde, die Firma Fehrer in Etwashausen ihren Güterverkehr vollständig auf die Straße.

“MORA C“ bereitete dem Güterverkehr auf zahlreichen Nebenbahnen den endgültigen Todesstoß - die DBAG hat es geschafft, Bahnkunden in der Region als unerwünscht abzustempeln und unwiederbringlich abzuschrecken. So wurde beispielhaft auch die Firma Mainfrucht in Gochsheim vergrault: Ein etwas verspäteter Ganzzug mit frischen Äpfeln aus Südfrankreich erreichte am einem Freitagnachmittag den Schweinfurter Hauptbahnhof. Hier blieben die Wagen kurz vor dem Ziel erst einmal stehen. Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG zogen es vor, die Früchte unter fränkischer Spätsommersonne im Hauptbahnhof mit intensiver Geruchsbelästigung verderben zu lassen. Am Montag schließlich verweigerte der Empfänger die Annahme der verfaulten Äpfel – so blieb nichts anderes übrig, als die überreifen Früchte im Müllkraftwerk zu entsorgen. Da diese Anlage über einen Bahnanschluß verfügt, konnte der Transport dahin wenigstens mit der umweltfreundlichen Bahn durchgeführt werden. Eigentlich sollte die Fracht zur Fruchtsaftherstellung verwendet werden. Warum das werkseigene Anschlußgleis seither verweist blieb, ist manchen Mitarbeitern der Deutschen Bahn AG unklar ...

Zunächst verblieben nur noch gelegentliche Militärtransporte zum Flugplatz in Etwashausen, sollten die Amis jedoch den groß angelegten Truppenabzug aus Deutschland wahr machen, dann schaut es zappenduster für diese Bahnverbindung aus. Nun wartet der Steigerwald-Express auf einen Privatanbieter, welcher Güter-, eventuell auch Personenverkehr durchführen würde. Der jahrelang umstrittene Abtransport von Brennelementen vom Kernkraftwerk Grafenrheinfeld wird durch ein neues Zwischenlager überflüssig; der Bahnhof in Gochsheim wird daher bis auf weiteres nicht mehr zur Verladung genutzt. Nur die gelegentliche Holzabfuhr in Gochsheim und der Schrotthandel in Sennfeld sind bis heute der Schiene treu geblieben. “Unternehmen Zukunft – Deutsche Bahn“... wir werden sehen!

Lautertalbahn heute

Kitzingen - Gerolzhofen (erster Teilabschnitt eröffnet 17.11.1893)

Zeichnung: Jürgen Dill

Gerolzhofen - Schweinfurt (zweiter Teilabschnitt eröffnet 23.11.1903)

Zeichnung: Jürgen Dill

Kursbuchstrecke 418c Kitzingen - Schweinfurt Hbf

Lokalbahn-Ecke
Hauptseite
Modellbahn-Ecke

Ähnlich wie einst die Interessensgemeinschaft Mainschleifenbahn gründete sich auch im Steigerwaldvorland eine IG für den Steigerwaldexpress. Ziel dieser Gemeinschaft ist den örtlichen Anrainergemeinden klar zu machen, wie wertvoll der Erhalt der Nebenbahn für die Bevölkerung ist. Um dem praktizierten Kahlschlag und der endgültigen Vernichtung von Eisenbahninfrastruktur vorzubeugen mietete im Mai 2005 die ”Bayerische Regionaleisenbahn” (BRE) diese Strecke von Gochsheim bis Kitzingen-Etwashausen an. Es ist geplant Nostalgiefahrten und regelmässigen Güterverkehr durchzuführen, um die Bahnstrecke den Anwohnern wieder nutzbar zu machen. Wie bei der benachbarten Mainschleifenbahn soll nach deren Vorbild eine touristische Nutzung nach Fahrplan, jedoch auch der Schülerverkehr auf der Strecke für eine Wiederinbetriebnahme sorgen. Zeichnet sich da eine Zukunft für den Steigerwald-Express ab?

Diese Bildergalerie zeigt einige Bahnrelikten der Lokalbahn. Aufsteigend nach Streckenkilometer kann man entdecken was an der Strecke noch erhalten geblieben und vom Zahn der Zeit weitgehend verschont geblieben ist. Einige Gebäude sind heute in Privateigentum und werden von den neuen Besitzern liebevoll gepflegt.

Mit einer guten Straßenkarte kann der automobile Eisenbahnfreund die Zeitzeugen des Bahnzeitalters erkunden. Mit einem “Klick” auf das Foto ist ein Besuch der Strecke aber auch auf dieser Seite zu erleben. Viel Spaß dabei.

an der Strecke

5 Abbildungen in der Galerie: Aufnahmen Stefanie Schilling und Jürgen Dill

Schön wär´s, wenn nicht die ernst- und gutgemeinten Aktivitäten der IG schon im Ansatz von ”bösen Mächten” sabotiert werden würden. Da mussten geplante Sonderfahrten Juli 2006 wegen der vorgesehen atemberaubenden 50km/h-Höchstgeschwindigkeit im Personenverkehr abgesagt werden, da die Strecke doch eine Güterstrecke sei. Auch der bis Dezember 2006 befristete Probebetrieb konnte durch irgendwelche “Einflüsse” nicht durchgeführt werden. So blieb es 2006 nur bei einer Sonderfahrt mit dem Schienenbus vom DDM Neuenmarkt-Wirsberg.

Geplante Wiederinbetriebnahme

Für den 27. Mai 2007 bestellte die Gemeinde Wiesentheid anlässlich des 350jährigen Marktbestehens zwei moderne Triebwagen der Erfurter Bahn. Aber auch dieser Sonderfahrt wurden “Steine in den Weg” gelegt. Dieses Mal war eine evtl. unter dem Gleiskörper befindliche “Bombe aus dem zweiten Weltkrieg” kurz vor Etwashausen dafür verantwortlich, dass die leichten RS-1 Triebwagen nur bis Großlangheim verkehren durften. Die Fahrt fand trotzdem statt.

So scheint es machthabenden Blockierern mit immer zweifelhafteren Begründungen doch tatsächlich zu gelingen, einem die Lust zu verderben. Darum bleibt uns Bahnbefürwortern der BRE und IG-Steigerwaldexpress nur zu sagen: MACHT WEITER JUNGS und haltet durch!!!! Anlässlich des Weinfestes in Gerolzhofen kamen am 14. und 15. Juli 2007 bereits RegioShuttle der Erfurter Bahn auf die Strecke zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen und waren gut ausgelastet. Der Weinbauverband Gerolzhofen lud im Zug auf ein Achtel Rotling ein. Waren das die letzten Züge, denn seit März 2010 ist das Gleis südlich von Gochsheim gesperrt. Die Streckenzukunft steht in den Sternen ...

Steigerwald-Express
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Lokalbahn-Modelle.de / LINK-TIPP: Weitere Informationen zur Strecke gibt es auf der Website vom FV-Steigerwald-Express


Der “Steigerwald-Express” heute